Hans Georg Stümke

Hans-Georg Stümke, Jahrgang '41, Mitbegründer der westdeutschen Schwulenbewegung in den 70ern, brachte vor kurzem sein erstes Buch "Älter werden wir umsonst" heraus. Während der Recherchen für sein Werk stellte er fest, daß sich in der BRD noch niemand mit dem Thema "Schwule und Alter" auseinandergesetzt hatte. So veranlaßte er wissenschaftliche Untersuchungen, führte selbst Interviews, verarbeitete sie zusammen mit seinen eigenen Erfahrungen und präsentierte das Ergebnis in einer recht gut besuchten Lesung am 16.11. im "riesa efau".

Was möchte Stümke mit seinem Buch überhaupt vermitteln? Er wirbt unter anderem um Verständnis für die Schwulen seiner Generation, die zum Beispiel einen erheblichen Bedarf an Schwulen-Altenheimen sehen. Dies erscheint durchaus verständlich, da sehr viele Menschen der heutigen ab 60-jährigen eine regelrechte Homophobie haben, wurden sie doch in einer Zeit groß, als der von den Nazis verschärfte § 175 StGB noch galt. In Berlin wurde bereits als Modell ein komplettes Mietshaus "verschwult und verlesbelt", damit sich die Bewohner nicht ständig in einem "normalen" Altenheim für ihre Homosexualität rechtfertigen müssen.

Möge sich jeder sein Urteil selbst bilden, ob es sinnvoll ist, solche (staatlich geförderten) Einrichtungen zu etablieren. Vielleicht für die heutigen Alten, doch wir hoffen, daß wir und unsere Altersgenossen solche Altenheime einmal nicht nötig haben werden, sondern daß wir in vollständiger Akzeptanz in "normalen" Heimen wohnen können.

Tom/Florian

Müssen wir alle ins Schwulen-Altenheim?