BERLIN - Highlights im Oktober

Techno, Drags & Glamour

Heißer Oktober beim schwulen Tea-Dance "GMF"

Die schönste Frau der Welt: Sherry Vine

Das GMF, Berlins schwuler Tea-Dance, begrüßt den Herbst mit einem außergewöhnlichen Programm: Gleich am ersten Oktober-Sonntag feiern die Star-DJs Westbam und Hardy Hard die "Wieder eine Wiedervereinigungsparty". Keine Frage: ein Abend der härteren Art. Einen Sonntag später begrüßen Bob Young und seine Crew dann die beiden New Yorker Drag Queens Sherry Vine und Joey Arias, die im Oktober in der "Bar jeder Vernunft" gastieren. Die beiden Diven werden mit Ausschnitten aus ihrem Programm ungewöhnliche Blues-Töne ins GMF mitbringen. Und auch am vierten Oktobersonntag bleibt's beim Thema "Big Apple": Dann nämlich lassen Doris Disse und Steffi Love (die Veranstalter des Retro-"Club 69") in der Lounge den legendären New Yorker Club "Studio 54" wieder aufleben. Passendes Outfit wäre also sicher angebracht, wenn es heißt, zwischen all den schönen und berühmten Menschen der Stadt zu verkehren. Und noch eine Empfehlung: Der Tea-Dance schließt bereits um 3 Uhr – früh kommen lohnt sich also. Frauen kommen ins GMF übrigens nur in Begleitung von Männern. Damit sollen die üblichen Party-Teenies, die unter der Woche das WMF bevölkern, etwas aussortiert werden.

Peter Polzer

GMF,
jeden Sonntag von 21-3 Uhr im WMF,
Johannisstr. 19-21,
Mitte

Christian Adolf Isermeyer

Treffen der Generationen

Neue Ausstellungen im Schwulen Museum

Seit Ende September sind im Berliner Schwulen Museum zwei neue Ausstellungen zu besichtigen: "Liebe Forschung, Lehre" berichtet in der Reihe "Lebensgeschichten" aus der Biographie des 1908 geborenen Kunsthistorikers Christian Adolf Isermeyer. Die Ausstellungsreihe dokumentiert Erlebnisse aus der Generation Isermeyers, deren Leben von Verfolgung geprägt waren. Im Gegensatz dazu steht die zweite Ausstellung "Axels Welt", die den bisherigen Lebensweg des 26jährigen Jörg Hoppenstedt dokumentiert. Hier stehen Coming-out und erste Beziehungserfahrungen im Mittelpunkt.

Das Schwule Museum
(Mehringdamm 61, Kreuzberg, Tel. 030/6934037)
ist Mi-So von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

Die Lissabonner Traviata

Terrence McNallys Stück um schwule Opernfreunde im Renaissance-Theater

Gerd Wameling und Stefan Reck

"Schon der Anfang ist zum Sterben schön." – so schwärmt Mendy über die Aufnahme von "La Traviata", die man bei Maria Callas' Gastspiel in Lissabon heimlich mitgeschnitten hat. Mendy, ein in die Jahre gekommener Schwuler, lebt nur noch in der Welt der Oper. Dort findet er den Halt, den ihm die schwule Szene nicht mehr gibt. Nicht zufällig ist ihm die jammervoll krächzende Aufzeichnung aus fernen Tagen Gegenstand andächtiger Annäherung: Über sie ist er indirekt auch mit jener Zeit verbunden, in der auch für ihn die Gefühle zu realen Männern noch nicht verdrängt waren durch den Kult um die Callas. Während Mendy ganz in der Vergangenheit gefangen ist und die jungen Männer der Gegenwart pauschal als "Huren" abtut, funktioniert dieses Abtauchen in eine Lebenslüge bei Stephen noch nicht. Ihn trägt seine Beziehung zu Mike noch, so krisenhaft und routiniert diese sich auch entwickelt hat. In dem Moment aber, da er erleben muß, wie sich Mike ernsthaft auf den jungen Paul einläßt, verliert Stephen den Boden unter den Füßen. Er inszeniert sein eigenes emotionales Finale melodramatisch als Mixtur aus "Tosca" und "Carmen". Oper wird zum tödlichen Fluchtpunkt der Gefühle. Terrence McNallys Stück "Die Lissabonner Traviata" liest sich spannend und man darf angesichts der Besetzung sehr gespannt sein auf die deutsche Erstaufführung im Renaissance-Theater.

Hajo Franzen

"Die Lissabonner Traviata" von Terrence McNally,
Regie: Fred Berndt,
mit Jörg Holm, Gerd Wameling,
Stefan Reck und Thomas Fritz Jung,
Voraufführungen am 3., 4., 7., 8.10.,
Premiere am 9.10.,
dann immer Di-Sa 20 Uhr, So 18 Uhr,
Renaissance-Theater,
Knesebeckstr. 100,
Charlottenburg,
Tel. 312 42 02

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