SIEGESSÄULE und GEGENPOL präsentieren:

Saisonabschluss

Schwul-Lesbisches Herbstfest rund ums Berliner Restaurant "arc"

Das schwullesbische Café und Restaurant "arc" in den S-Bahnbögen der Stadtbahn in Charlottenburg Désiree Nick beschließt inzwischen traditionell die Berliner Saison der Straßenfeste. Im Oktober dürfen wir uns wieder in bestuhlten und geheizten Örtlichkeiten aufhalten, bis wir uns dann im Dezember wieder die Finger trotz Glühwein an Weihnachtsmärkten abfrieren.

Bereits zum 4. Mal lockt das "arc" am letzten Septemberwochenende in unmittelbarer Nähe des Bahnhof Zoo mit vielen Attraktionen: Infostände von Homo-Projekten und -Geschäften, ein vielseitiges Essens- und Getränkeangebot (in Charlottenburg trinkt man mehr Sekt als in Kreuzberg) und vor allem ein hochkarätiges Kultur- und Unterhaltungsangebot. Die große Diva Désiree Nick wird dabei sein, Berlins Comedystars "Die Teufelsberger", die glamouröse Biggy van Blond, die schwule Blaskapelle der Hauptstadt, jede Menge Gogos und Stripper sowie politische Prominenz. Da das Fest zwei Wochen vor den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus stattfindet ist dei Wahrscheinlichkeit recht groß, dass die eingeladenene Bundesgesundheitsministerin Fischer und der SDP-Bürgermeisterkandidat sich tatsächlich einfinden.

Peter Polzer

4. Schwul-Lesbisches Herbstfest
25./26.9. rund um das "arc"
Fasanenstr. 81, Charlottenburg
Infos 313 2625

Augen mit zehn Fingern

"Baby Boy" – Tim Fischer im BKA und auf CD

Vor rund zehn Jahren erhob Zarah ohne Kleid zum ersten mal ihr Haupt gegen die Scheinwerfer und fing an zu singen. Ein Rauschen ging durch den Blätterwald, vom Wunderkind war die Rede, wieder einmal. Weil das Kind jahrhundertalte Augen hatte, weil das Wunder Dartpfeile mit seiner Zunge verschoss. Weil Tim Fischer CD Cover Lolita ein Junge war, den trotzdem alle wollten. Und weil der schon ein Leben gehabt hatte und einen Schatz von Erfahrungen mitbrachte, die ihm eigentlich nicht zustanden, und damit Seancen mit Frau Leander auf offener Bühne abhielt.

Die Geister die er rief, ist der "Baby Boy" – so der Titel von Tim Fischers neuer, siebenter CD – inzwischen losgeworden. Zarah ist tot und bleibt es auch. Fischer braucht auf der Bühne keine Unterstützung mehr. Nur Thomas Dörschel am Flügel, gute Komponisten und Texter. Derer gibt es viele und Fischer nimmt sie alle, und zwar von vorn. Eisler, Hollaender, Weill, Lou Reed und kein anderer als Georg Kreisler, bestimmen das Repetoire das hier bearbeitet wird. Denn ein Lied nur an der Oberfläche anzukratzen, oder einfache Stimmakrobatik sind Tim Fischers Sache nicht.

Das funktioniert immer dann besonders gut, wenn er Humor beweisen darf ("Erich", "Mütterlein", "Der fette Elvis"), wenn er sich mit sarkastischer Attitüde selbst illustriert ("Zu leise für mich", "Glücklich", "Lied der Nana") und geht manchmal auch mit großer Geste schief ("Perfect Day"). Aber wenigstens verläßt er sich nicht auf Reputation oder Fangemeinde, sondern wagt und verliert, riskiert und gewinnt mit jedem neuen Lied.

Bei seinen Auftritten kommen zu all dem Talent und der Ausstrahlung noch zwei Dinge hinzu, die ihn von allen anderen unterscheiden: seine Hände. Ein zweites Paar Augen, die mit ein, zwei gezielten Gesten oder auch nur einem Zurückstreichen der berühmten Mähne Dinge sagen, für die sich keine Worte finden lassen, die er aber ausdrücken muss.

Auch das Verstecken hinter Programmnamen scheint aufgegeben, das braucht er nicht mehr. "Tim Fischer – Das Konzert" ist Konzept genug, reicht ihm und den Fans wohl als Ankündigung, bekräftigt aber auch die Einzigartigkeit jedes einzelnen Abends, den er gibt.

Paul Schulz

Tim Fischer – Das Konzert
11.9., 10. & 11.10., 17.10. & 18.10., 20 Uhr
BKA-Theater, Mehringdamm 34, Kreuzberg, Tel.: 030-251 01 12
Tim Fischer "Baby Boy"/ east west records

Das ewige "Cabaret"

Georg Preuße ("Mary") im Musical "Cabaret"

Das Musical "Cabaret", basiert auf den Erinnerungen des Briten Chrisopher Isherwood, der von 1929 bis 1933 unter anderem in Schöneberg lebte. In seinem Buch "Goodbye to Berlin" beschreibt Georg Preuße als Mary er die Anfänge des Nationalsozialismus aus schwuler Sicht. Er beschreibt auch die Menschen in Berlin, in seiner Pension in der Nollendorfstrasse oder die Szene rund um das legendäre Kabarett "Kit Kat Club" das im heutigen "Metropol" am Nollendorfplatz residierte. Menschen, wie die Musiacalgestalt Sally Bowles, gab es also tatsächlich, wie fast alles in "Cabaret" so oder ähnlich in Berlin exisitierte. Weltruhm erlangte das Musical durch seine Verfilmung von Choreograph Bob Fosse mit Liza Minnelli, Michael York, Helmut Griem und Joel Grey in den Hauptrollen. Der Film lief jahrelang ununterbrochen in den Kinos, wurde mit Oscars überschüttet und setzte neue Standards in jeder Hinsicht. Das Bühnenmusical hingegen lief mal mehr, mal weniger erfolgreich und musste sich immer an seinem großen filmischen Vorbild messen lassen. Sowohl Film, wie Musical wurden übrigens weitgehend (mit wenigen Ausnahmen und Anspielungen) heterosexualisiert. In Berlin nun wagt das Theater am Kurfürstendamm eine Inszenierung, die mehr auf das Schauspielerische als auf Showeffekte setzt. Georg Preuße, vielen besser bekannt als "Mary", spielt hierin den Conférencier, der praktisch als Klammer durch das Programm des "Kit Kat Club" führt. Preußes Conférencier allerdings geht sehr viel weiter als der Film-Conférencier (gespielt von Joel Grey der den Oscar für die beste Nebenrolle erhielt): "Ich wollte nicht den Pausenclown spielen, dafür ist mir die Sache zu wichtig." Ich wollte auch Joel Grey nicht imitieren, mein Conférencier ist eher ein politischer Kabarettist.", sagt Preuße über seine Rolle, an der er selbst viel mitgestaltet hat.

Am 26. September versteigert Georg Preuße 48 Original-Kostüme seines 1995 verstorbenen Partners Gordy. Der Erlös ist - nach einem letzten Wunsch von Gordy - zu Gunsten eines Brutkastens auf der Säuglingsstation der der Uni-Klinik Dresden.

Manuela Kay

"Cabaret"
ab 2. September, 20 Uhr
Theater am Kurfürstendamm 206-209
mit Vasiliki Rousssi als Sally Bowles
Daniel Morgenroth als Clifford Bradshaw und
Georg Preuße als Conférencier
Regie: Michael Wedekind
Karten Tel.: 030-47 99 74 40

Versteigerung von Gordys Kostümen
am 26.9. um 14 Uhr
im Theater am Kurfürstendamm
Eintritt frei
Anmeldung erforderlich unter
Tel. 030-28390266 ("Media Art Consulting")

Die Berlin-Szene-Highlights im September