Schwules Überfalltelefon: 19228

Unter der vom LSVD eingerichteten bundeseinheitlichen Rufnummer 19228 erhalten Opfer von Gewalt Informationen, Hilfestellung und Unterstützung.

Bei den Schwulen Überfalltelefonen wird zuallererst das Gespräch angeboten, außerdem begleiten Mitarbeiter des LSVD die Opfer und Zeugen von Übergriffen auf deren Wunsch zur Polizei, zur Staatsanwaltschaft und zum Gericht, wenn sie Anzeige erstatten oder Aussagen machen möchten.

Ein Tatsachenbericht aus Dresden:

Am 23. Mai, einem Sonntag, war Robert (16) mit einem Freund in der Dresdner Neustadt unterwegs. Beide gingen in einen Crêpesladen an der Alaunstraße, wo noch vier andere Gäste anwesend waren. Beim Essen unterhielten sie sich unter anderem darüber, daß Robert schwul ist. Auf dem Weg zurück zum Auto wurden die beiden dann auf der Louisenstraße in Höhe des Eingangs zum Nordbad von hinten angegriffen.

Robert schildert den Vorgang so: "Erst wußte ich nicht, was jetzt los ist. Dann konnte ich die zwei Personen erkennen, die uns angriffen. Es waren zwei von den vier jungen Männern, die zuvor auch im Crêpesladen waren. Der größere von den beiden hatte mich in den Eingang gezerrt und mir mit der Faust ins Gesicht geschlagen, bevor ich dann gegen die Wand fiel und zu Boden ging. Dann trat er mit dem Fuß auf mich ein. Ich konnte noch sehen, daß sich mein Freund heftig gegen den zweiten Angreifer wehrte, der ihn gegriffen hatte und mit der Faust ins Gesicht schlug."

Nach der Tat konnten die Angreifer ungehindert entkommen. Besonders erschreckend war zudem, daß einige Leute, die an der Schlägerei vorbeigekommen waren, nur kurz hingeschaut, den beiden aber nicht geholfen haben! Robert blieb zum Glück nur relativ leicht verletzt: ein blaues Auge, eine Jochbeinprellung und eine Sehnenzerrung, wie der Arzt später feststellte. Das Gesicht seines Begleiters war noch viel schlimmer zugerichtet.

Nach dem Ereignis hat sich Robert beim Gerede e.V. Rat und Hilfe geholt. "Erst habe ich überlegt", meint Robert dazu, "ob ich die ganze Geschichte lieber für mich behalten soll. Ich denke aber, daß es wichtig ist, offen damit umzugehen. Es passiert ja anderen Schwulen auch und sie haben Angst, etwas zu sagen oder zur Polizei zu gehen. Ich habe mich bei der Polizei informiert und werde eine Anzeige aufgeben. Wichtig ist aber auch, in einem solchen Fall eine Beratung, wie zum Beispiel beim Gerede e.V. zu haben und ohne Vorurteile Hilfe zu bekommen." Nach dieser Erfahrung geht Robert jetzt vorsichtiger durch die Neustadt, denn "es ist immer so eine unterschwellige Angst da, es könnte mir nochmals passieren", sagt Robert.

Trotzdem will er, daß seine Geschichte öffentlich gemacht wird und daß das Thema antischwule Gewalt und Diskriminierung nicht als eine zu vernachlässigende Ausnahmeerscheinung, als selten vorkommender Einzelfall abgetan wird. Denn solange es weiterhin Gewalttaten wegen der sexuellen Orientierung eines Menschen gibt und Passanten dann einfach vorbeigehen, bleibt Toleranz nur ein Wunschtraum!

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Toleranz in Sachsen? Ein Tatsachenbericht aus Dresden