Dresdner Sommer - Open Air

Was tust Du uns an!?

Abschiedstournee von Dieter Thomas Kuhn

Bei einem kürzlichen Stadtbummel schlug mein Herz höher, als ich auf einem Plakat die Vorankündigung zum alljährlichen Dieter Thomas Kuhn Konzert las. Ich verfiel sofort in einen Rausch der Erinnerungen:

Ein Meer von Sonnenblumen strömt dem Elbufer entgegen, daß der unbefangene Beobachter glaubt, hier sei die Bundesgartenschau auf der Flucht. Man sieht an diesem Tag viele Typen heterosexueller Bauart, die sich in grell bunte Klamotten geschmissen haben, daß der sonst auffälligen Schwuppe eigentlich nur noch übrigbleibt, in den Rinnstein zu spucken, um ein wenig Aufmerksamkeit zu erhaschen. Das lautstark mitsingende Publikum ist mit einer erstaunlich vorbildlichen Textsicherheit gesegnet. Das erweckt den Eindruck, an einer Massentherapie beteiligt zu sein, die das Ziel hat, das Kindheitstrauma "Deutsche Hitparade" zu verarbeiten. Andere interpretieren es als Flucht vor der nicht enden wollenden Techno- bzw. Housemusicwelle, die nun wahrlich nicht von Lustigkeit geprägt ist.

Nicht zu vergessen der Star, der unterwegs ist, uns die Botschaft von ausgelassener Fröhlichkeit und unbegrenzter Liebe zu überbringen. Dieses unterstreicht er mit einer einzigartigen Opfergabe, seinem Brusthaartoupet. Und das Publikum, welches schmachtend an seinen Lippen hängt, dankt es ihm in gleicher Weise. Ungeachtet des finanziellen Verlustes, werfen sie unzählige Getränkepfandbecher auf die Bühne; und da sie noch nicht gänzlich geleert sind, weiß die Band dieses Erfrischungsritual zu schätzen...

Dieter Thomas Kuhn Abrupt jedoch wurde ich aus meinen Erinnerungen gerissen, als ich dieses schreckliche Wort las –Abschiedstournee. Und da beschäftigte mich nur noch eine Frage an diesem Tag – Warum? Hat er etwa Angst, auf dem Höhepunkt seines Erfolges ein Ende wie John Lennon zu finden. Oder glaubt er mit dem plötzlichen Abbruch seiner Musikkarriere eine ähnliche Massenhysterie auszulösen, wie es einst dieser hübsch anzusehenden Boygroup "Take That" gelang? So daß sich seine suizidgefährdete Fangemeinde in Scharen von irgendwelchen Brücken werfen wird und nur die spontan eingerichtete Telefonseelsorge, gesponsert von der Greenpeacegruppe für saubere Flüsse, dem kollektivem Sterben ein Ende setzt?

Doch plötzlich hatte ich das Rätsel geknackt. Da er sich bei den letzten Konzerten vermehrt BH's zuwerfen ließ, wird er anschließend eine Karriere als lesbische Popikone starten und Hella von Sinnen Konkurrenz machen, denn er genießt den Vorteil, wenigstens singen zu können.

Also, am 8.7. hin zu den Dresdner Filmnächten, um noch einmal den uns so liebgewordenen Dieter zu erleben.

Karsten

Dieter Thomas Kuhn: Abschiedstournee
08. Juli 1999
Einlaß 19:00 Uhr, Beginn 20:00 Uhr

Filmnächte am Elbufer - Dieter Thomas Kuhn