SIEGESSÄULE und GEGENPOL präsentieren:

Psycho-SM unter Schwestern

Jean Genets "Die Zofen" im Theater Zerbrochene Fenster

Claire und Solange, zwei Schwestern im Dienste der Gnädigen Frau, versuchen, durch Rollenspiele und kleinere Rituale ihrem tristen Alltag zu entfliehen. In ihrem Zeitvertreib vermischen sich Wunschvorstellungen und Realität, Hoffnungen und Ängste. Die Idee vom Mord an der Gnädigen Frau wird soweit gesponnen, bis das Gift tatsächlich im Tee der Hausherrin landet. Der bleibt ungetrunken und die Schwestern spielen ihr letztes Spiel: Claire in völliger Identifikation mit der Rolle der Herrin zwingt ihre Schwester, ihr den vergifteten Tee zu bringen. Die ursprünglichen Rollen werden endgültig gesprengt. Solange wird zur Verbrecherin, Claire zu ihrem Opfer. Genets gekürzte Endfassung, die 1947 Uraufführung hatte und 92 en suite Aufführungen erlebte, war seit jeher Anlaß für Kontroversen, die gelegentlich auch tätliche Auseinandersetzungen an Ort und Stelle mit sich brachten. Die drei Rollen werden in der Inszenierung von Pascual Jordán, ganz im Sinne Genets, mit Männern besetzt, wodurch das verwirrende Spiel um Rollentausch und Identität an Farbe und Dynamik gewinnt. Neben Volker Figge (Gnädige Frau) und Reimund Groß (Solange) ist auch Baki Davrak als Claire dem Berliner Publikum kein Unbekannter: Als Murat spielte er die Hauptrolle in dem diesjährigen Berlinale-Beitrag "interner Link Lola und Bilidikid". Mit "Die Zofen" kommt ein Klassiker der Moderne nach Berlin. Nach erfolgreicher Premiere und lobenden Besprechungen in Cottbus wird das Theater Zerbrochene Fenster für die beiden Schwestern zum Dienstmädchenzimmer.

Henrik Hohl

"Die Zofen"
1. bis 5 Juli 99 um 20.30 Uhr
im Theater Zerbrochene Fenster
Schwiebusser Str. 16, Kreuzberg
Kartentel. 030-69129 32

Rosa macht wieder Theater

"Hamlet - eine Sexkomödie", Buch und Regie: Rosa von Praunheim

Was kommt dabei heraus, wenn Rosa von Praunheim ein Ensemble von acht Schauspielerinnen und einem Schauspieler zusammenstellt und ein Stück für sie entwickelt? "Hamlet - eine Sexkomödie". Wem wäre nicht der dänische Prinz mit den gravierenden Gemütsschwankungen als adäquater Namensgeber für ein Praunheimsches Drama eingefallen? Der Rest vom Schloß in Helsingør ist auch dabei. Ophelia ist Gynäkologin und durchleidet eine Ehekrise mit Hamlet, der sich seine Brötchen als Versicherungsangestellter verdient. Seine Art der Eheproblembewältigung sieht es vor, sich von einer Domina die Hoden aufnageln zu lassen, was im letzten Moment von Ophelia verhindert wird. Rosenkranz und Güldenstern sind Zahnärztin und Krankenschwester geworden, die eine hat eine erotische Beziehung zum Karies ihrer Patienten, die andere führt sich die seltsamsten Gebrauchsgegenstände ein. Nur Sextherapeutin Schmidtbach-Sülzenicht, die unter einer Kondomallergie leidet, gehört wohl nicht zur Originalbesetzung Shakespeares. Im Rahmen eines Schauspielworkshops zu "Hamlet" treffen alle Figuren aufeinander und interpretieren die ewigen Themen Macht, Liebe, Intrigen und Sex. Nachdem befunden wurde, daß Blüten wie Geschlechtsteile seien, gehen die Schauspieler auf die Zuschauer los.

Henrik Hohl

"Hamlet eine Sexkomödie"
am 2. (Generalprobe), 3. (Premiere), 4., 9., 10., 11.7.
jeweils um 21 Uhr im Theaterprobenhaus Mitte
Koppenplatz 3-4, Mitte
Kartentel. 030-28 59 84 30
vom 15.-18. und 22.-25.7
jeweils um 21 Uhr im Ratibor-Theater
Cuvrystr. 20, Kreuzberg
Kartentel. 030-618 61 99

Zeitreise

Die "Nacht der Diven" am 17. Juli im Kino Balázs

Asta Nielsen, Lil Dagover, Henny Porten, Pola Negri, Olga Tschechowa (Foto): klangvoile Namen der längst verflossenen Stummfilmzeit. Die ersten Stars für ein großes Publikum, die ersten begehrenswerten Diven des jungen Jahrhunderts. Frauen, die alle im 19. Jahrhundert geboren wurden und nachhaltig das Bild der Frau im 20. Jahrhundert prägten.

In seinem neuerschienenen Buch "Verrückt vor Begehren" stellt der Autor F.B. Habel das Leben und Schaffen der zwanzig größten Filmdiven vor: ihre künstlerische Wirkung, kuriose Histörchen, die Zeitgeschichte, die so manche Karriere beeinflußte. Am 17. Juli wird das Buch im Kino Balázs in Mitte präsentiert. Den Mittelpunkt des Abends bilden zwei Stummfilme (begleitet von Willy Sommerfeld!), die Diven aus dem Buch als Heldinnen haben: zuerst "Die freudlose Gasse" (von G.W. Pabst, mit Asta Nielsen, Greta Garbo, Valeska Gertt, 1925) und anschließend "Die Augen der Mumie Mâ" (von Ernst Lubitsch mit Pola Negri, 1918).

Drumherum erwartet die Gäste ein divenhaftes Chansonprogramm, ein Buffet mit "Divenhäppchen" und eben eine Zeitreise in die ersten Jahrzehnte des ausgehenden Jahrhunderts.

Peter Polzer

"Die Nacht der Diven"
am 17. Juli um 19 Uhr im Kino Balázs
Karl-Liebknecht-Straße 9, Mitte
Kartentel. 030-240 91 46
Das Buch "Verrückt vor Begehren" von F.-B. Habel ist im Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag erschienen.

Die Berliner Szene-Highlights im Juli