Die Auswertung unserer Fragebogenaktion

Unverhofft zahlreiche Rückläufe führten bei uns zu einer wahren Postflut und bei der Kaffeeindustrie zu sprunghaften Umsatzsteigerungen. Trotzdem vielen Dank!! So ist es uns möglich, ein - wie wir denken - doch annähernd repräsentatives Ergebnis wiederzugeben.

Das seid "Ihr" - die Zahlen:

Einige Antworten erstaunten, andere bestätigten Vermutetes. So kamen 4/5 der Rückläufe von männlichen Einsendern, ein Blick auf die Kontaktanzeigen macht diese Relation deutlich. Verwunderlicher war hingegen die Auswertung der Frage nach der sexuellen Orientierung: einen Homosexuellenanteil von ca. 5% in der Gesellschaft angenommen, widerspiegelt unsere Leserschaft mit einem "Hetero-Anteil" von 5,8% das genaue Gegenteil. Das Durchschnittsalter liegt bei 26-30 Jahren. Knapp die Hälfte aller Einsendungen kam aus Dresden, ca. 10% aus Leipzig und 8% aus Chemnitz; aus dem übrigen Sachsen trafen 18% der beantworteten Fragebögen ein. Der Rest blieb anonym und machte keine Ortsangaben.

Mehr als die Hälfte wohnt alleine, je ein Fünftel stecken noch unter den Fittichen der Eltern, beziehungsweise sind diesen in eine WG entflohen. Nur 10% wohnen mit ihrem Partner zusammen. Insgesamt wurde eine äußerst knappe Mehrheit von 51% bislang nicht diskriminiert, wobei der Anteil bei den Frauen geringfügig niedriger ist. Etwas 55% der Frauen, die unsere Fragen beantwortet haben, fühlten sich nämlich schon einmal diskriminiert. Der Großteil der Benachteiligung liegt hier in verbalen Äußerungen gegen die betreffende Person und im rechtlichen Bereich, obwohl auch Einsender darunter waren, die mindestens einmal körperlicher Gewalt (Prügel, etc.) ausgesetzt waren.

Interessant bei der Auswertung war die Kombination der Anworten der Leser nach dem derzeitigen Beziehungsstand und der Frage, wie die Beziehung gelebt wird/würde. Zunächst muß festgestellt werden, daß 51% der antwortenden Leser zum Zeitpunkt der Beantwortung solo sind und 54% ihre Beziehung monogam leben (oder leben würden). Jedoch steigt der Anteil derer, die eine offene Beziehung favorisieren, mit zunehmender Beziehungsdauer an. Ist die feste Beziehung also nur ein unerreichtes Ideal? Diese Frage können wir natürlich auch nicht beantworten.

Die Szene:

Zur Auswertung bei Nummer 11 des Fragebogens haben wir die Antworten mit Indexzahlen, ähnlich dem Schulnotensystem, von 1 bis 6 versehen (1 = sehr häufig, 6 = nie). In Klammern sind die mittleren Noten angegeben.

Der Durchschnitts-Homo geht "hin und wieder" (Index 2,86) in Bars, Kneipen und Cafés. Bei den Diskobesuchen liegen Eure Angaben fast genau zwischen "hin und wieder" und "selten" (3,48). In den Cruisingareas oder in Saunen trifft man Euch weitaus "seltener" (4,33). Klar bestätigt hat sich hier allerdings wieder die Beobachtung, daß Diskotheken und auch Bars/Cafés doch eher von den jüngeren Schwulen und Lesben bevorzugt werden. In der Altersstufe unter 20 und von 21-25 sind die Antworten deutlich zugunsten der Nennung "häufig" verschoben.

Zutreffend ist auch die Tatsache, daß mehr Menschen konsumieren, anstatt sich selbst zu engagieren. Nur ein Fünftel ist in Vereinen tätig und engagiert, ein Drittel nutzt jedoch unterschiedliche Vereinsangebote.

Christopher-Street-Day

Diejenigen, die mit dabei waren, fanden den Dresdner CSD in vergangenen Jahr überwiegend gut. Nach dem CSD '99 befragt, meinten 43% der Beantworter, daß er politischer sein müsse. Der CSD solle kommerzieller werden, sagt rund ein Viertel von Euch und rund 20% sind der Ansicht, daß alles so bleiben könne wie 1998. Was das Veranstaltungsangebot betrifft, meinen 56%, daß sie sich durchaus mehr Veranstaltungen wünschen würden, für 38% ist den Umfang ausreichend und sollte beibehalten werden - nur weniger dürfe es nicht werden. Nur 5% glauben, daß das Veranstaltungsangebot reduziert werden sollte.

Befinden, Ehe, Kinder:

Die Frage nach der politischen und der allgemeinen Situation wird im allgemeinen mit "naja" beantwortet. Dabei liegt eine Verschiebung in die negative Richtung insbesondere bei der rechtlichen Situation vor. Als Hauptkritikpunkte werden hier die fehlende Möglichkeit zur Homoehe und das Adoptionsrecht genannt. Daneben spielen aber auch Diskriminierungen bei beruflicher Einstellung oder bei Blutspenden eine Rolle.

Interessant ist auch, daß zwar einige in Sachen Homoehe oder beim Adoptionsrecht die rechtliche Gleichstellung fordern, diese Rechte dann aber praktisch gar nicht nutzen wollen. So würden beispielsweise 42% eine der Ehe entsprechende Lebensgemeinschaft nicht eingehen. Die Aussage der Justizministerin Däubler-Gmelin, ihr gehe "die Adoption von Kindern durch gleichgeschlechtliche Paare erheblich zu weit", finden 80% von Euch falsch. Trotzdem wollen nur 38% ein Kind adoptieren, wenn dies möglich wäre. Gründe dagegen sind nicht nur eigene Kinder, zu hohes Alter, Ablehnung der Verantwortung, sondern auch die Meinung, daß Kinder nicht in eine schwul-lesbische Lebensgemeinschaft gehören.

Gegenpol / Kummerkasten

So, das waren die Zahlen. Wir bedanken uns noch einmal für Eure Anregungen, Kritiken, Vorschläge, für Lob und Tadel. Zu letzterem ist zu sagen, daß das Gros der weiblichen Einsender bemängelte, der Gegenpol wäre zu schwul. Hierzu läßt sich, wie schon so oft geschrieben, nur sagen, daß wir keine Frau, die in der Redaktion mitarbeiten möchte, abweisen werden. Ebenso verhält es sich mit der Anzahl lesbischer Kontaktanzeigen, es liegt auch an Euch, dem Gegenpol mehr lesbische Elemente zu geben. Eine genauere Auswertung des Fragebogenteils zum Thema Gegenpol findet Ihr aber erst im nächsten Heft.

FeB

Der Leser hat das Wort