Die Party mit dir selbst

In diesem Heft konnte man ja bereits lernen, wie einfach Schwule es im Grunde haben, ihre Lust ohne aufwendigen Beziehungsstreß auszuleben - die schnelle Nummer zwischendurch. Wer aber in Sauna oder Bar mit Darkroom oder sonstwo den Traumprinzen für eine Nacht doch nicht gefunden haben sollte, dem bleibt ja immer noch die Möglichkeit, eine Party mit sich selbst zu feiern. Du weißt doch am besten, was du an dir hast, mußt keine falschen Rücksichten nehmen und kannst sicher sein, daß es dir gefällt. Und ist plötzlich die Lust weg, mußt du niemandem etwas vortäuschen (ja, das funktioniert tatsächlich auch bei Männern), sondern kannst einfach aufhören, wann immer du willst. Frei nach Rosenstolz: "Ich liebe meine Hände, selbst ist der Mann" - oder so ähnlich.

Manchmal braucht man allerdings ein paar kleine Anregungen für das zärtliche Liebesspiel mit sich selbst, um die eigene Phantasie ein wenig zu beflügeln. Nun ja, ich gebe zu, der Gegenpol ist hierzu nun wirklich Im Knastbordell von Istanbul nicht gerade geeignet, aber es gibt doch auch andere, zweckmäßigere Objekte: beispielsweise anatomisch lehrreiche Videofilme oder gar die sehr praktische Ein-Hand-Literatur - Magazine und Bücher eben, die tausendfach angeboten werden und zum Teil gar nicht mal ganz billig sind.

Relativ neu auf dem Porno-Markt ist die Edition Tasler, deren Erstlingswerk "Der Junge von der Potsdamer Straße" wir Euch bereits im September vorgestellt hatten. Nun erzählt uns Autor Wolf Tasler die (angeblich) wahre Geschichte eines deutschen Teenagers "Im Knastbordell von Istanbul", publiziert in Form eines pornographischen Romans. Die Story ist simpel: Micha, in der Türkei als Drogenkurier verurteilt, bläst und fickt sich von der Aufnahme bis zur Flucht durch den Knast in Istanbul. Micha kann natürlich immer und fühlt sich nicht einmal so unwohl im wahrscheinlich schwulsten Gefängnis der Welt, wo es jeder mit jedem treibt und das zu jeder beliebigen Tages- oder Nachtzeit. Ein wenig mehr Handlung hätte sicher nicht geschadet, so erschöpft sich der Roman in der wortreichen Aneinander-reihung ausgefallener (und teilweise unappetitlicher) Sexspiele. Mehr darf man von einem Buch dieses Genres aber wohl kaum verlangen; wer geht denn schon ins Pornokino, um dort einen Visconti-Film anzusehen? Cadinot oder Kristen Bjorn sind hier die bewegenden Favoriten. Und auch Tasler ist ein bewegendes Buch gelungen, auch wenn es nur die rechte Faust ist, die sich dabei bewegt.

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Wolf Tasler
Im Knastbordell von Istanbul
Edition Tasler
Berlin
178 Seiten
ISBN 3-89384-019-2

Verlosung

Auch diesmal hat uns der Verlag 5 Exemplare dieses Buches zur Verfügung gestellt, die wir an Euch verlosen wollen. Schreibt eine Postkarte unter dem Kennwort "Tasler" an die Redaktion. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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