Ausstellung "100 Jahre schwul-lesbisches Leben in Dresden"

Die VeranstalterInnen der Ausstellung "100 Jahre schwul-lesbisches Leben in Dresden" könnten bald eine Zusatztafel anfertigen, auf der sie den gegenwärtigen Umgang des Rathauses mit lesbisch-schwulen Themen dokumentieren. Um das aber realisieren zu können, müßte für die Ausstellung ein Raum zur Verfügung gestellt werden. Doch dieses Vorhaben schreibt mittlerweile seine eigene Geschichte.

Nachdem die CDU nach der letzten Wahl die Mehrheit im Rathaus erreicht hatte, wurde nicht nur den zwei Homo-Beauftragten, Karin Franke und Peter Jürgens, der politische Handlungsrahmen entzogen, sondern auch die von Karin Franke initiierte Ausstellung, die im "Lichthof" gezeigt werden sollte, ersatzlos gestrichen. In Zusammenarbeit mit dem "Gerede e.V." nahm sich die Gleichstellungsbeauftragte Marianne Schulz (Schwerpunkt Frauen) der Ausstellung an und reservierte im März 2000 die "Goldene Pforte" im Rathauses für den September. Ein Zwischenergebnis der Archivarbeit wurde zum Christopher-Street-Day im "Gerede e.V." präsentiert, dabei freuten sich alle auf den Beginn der eigentlichen Ausstellung. Doch Frau Schulz wurde Mitte Juli aufgefordert, einer Ausstellung zu den Feierlichkeiten zum 3. Oktober zu weichen - eine nicht einsehbare Forderung, da die Reservierung für die "Goldene Pforte" bereits mündlich bestätigt worden war und nicht mit dem Termin der als wichtiger empfundenen Ausstellung zusammengefallen wäre. Unter Protest willigten die VeranstalterInnen in den Vorschlag des Presseamtes ein, die Ausstellung ab dem 28. August im Stadtarchiv zu zeigen. Dieser Termin wurde dann auch in der Presse veröffentlicht. Aber unerwartet kam alles noch einmal anders. Als das Presseamt, das nun als offizieller Veranstalter galt, den zuständigen Dezernenten Ihme benachrichtigte, äußerte dieser eine klare Ablehnung: "Bei mir nicht!" Er fühlte sich vom Presseamt zu spät benachrichtigt und verwies darauf, daß im Stadtarchiv bereits eine Ausstellung gezeigt würde.

Thomas Kübler, der Amtsleites des Stadtarchives, äußerte Bedauern gegenüber der erneuten Terminabsage. Seiner Meinung nach hätte sich durch die Präsentation der lesbisch-schwulen Geschichte Dresdens kein Problem für die andere Ausstellung ergeben, da das Stadtarchiv über ausreichend Räumlichkeiten verfügt. Ist der eigentliche Grund der ständigen Ortsverschiebung also der, daß das Rathaus die homosexuelle Thematik nicht in städtischen Räumen zeigen möchte? Ist ihnen die Ausstellung vor dem Hintergrund der christdemokratischen Gegenwehr zum Gesetzentwurf der eingetragenen Partnerschaft zu brisant?

Karin Franke sieht in diesem Vorgehen "eine politische Entscheidung der Stadt, mit dem Thema nichts zu tun haben zu wollen." Und auch Marianne Schulz reagierte verärgert und kritisierte den fehlenden Mut der Verantwortlichen, "zu sagen, daß sie die Ausstellung nicht haben wollen." Sie möchte sich "nicht mehr hin- und herschieben lassen" und hat deshalb das Angebot, das Kulturrathaus nutzen zu können, abgelehnt. Jetzt warten alle Verantwortlichen auf eine Reaktion aus dem Rathaus. Sollte die CDU doch noch für eine Überraschung sorgen?

Inzwischen hat sich Conni Ernst von der PDS der Ausstellung angenommen, die nun wohl doch noch in Dresden zu sehen sein wird – voraussichtlich im Sächsischen Landtag. Ein Termin steht allerdings noch nicht fest.

Swen Glawion/Gerede e.V.

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