Endlich war das Wetter für die Demonstration durch Dresden perfekt – und trotzdem blieben sonst überall gesehene Gesichter zu Hause. Der oben angesprochene Effekt zeigte sich beim CSD-Umzug also bereits in diesem Jahr. Es war fast keine Dresdner-Szene vorhanden.

CSD 2000 Umzug Der Zug vom Albertplatz zur Prager Straße war eine stille und friedvolle Wanderung durch die belebten Straßen Dresdens. Aufgrund eines technischen Defektes der Soundanlage im anführenden LKW konnte einfach keine andere Stimmung entstehen.

Ein großer Dank an alle - vor allem an die vielen Zugereisten, die sich an dieser nach wie vor politischen Demonstration beteiligt haben, so daß man insgesamt noch stolz sagen kann, wir haben mit rund 500 TeilnehmerInnen die Tradition des CSD in Sachsen weitergeführt.

Spruchbänder mit den Losungen, für die wir letztlich auf die Straße gegangen sind, haben gefehlt. Und – sie wurden auch tatsächlich vermißt! Man kann sich noch gut an andere Zeiten erinnern: Damals waren einige mit Forderungen wie "Gleiche Rechte für alle" vielleicht wegen dem etwas provinziellen Aussehen der Winkelemente eher peinlich berührt oder mit der scheinbaren Trivialität der Aussage nicht zufrieden.

CSD 2000 Straßenfest Der Umzug endete auf der Prager Straße, wo das traditionelle Straßenfest stattfand. Der Ort war nicht der beste, aber im politischen Sinne besser gewählt als der Martin-Luther Platz im vorigen Jahr. Die Informationsständekultur wurde auch dieses Jahr durchgehalten (nicht von allen, auch nicht vom Gegenpol). Dabei kam der Kontakt mit dem Publikum bei der in dieser Hinsicht erfahrenere AIDS-Hilfe Dresden leichter zustande, als bei anderen. Natürlich macht es keinen Sinn, wenn alle nur noch Essen und Trinken feilbieten, ein gewisses kommunikatives Konzept sollte man haben.

Zum Thema "Homo-Ehe" wurden dieses Jahr erstmals in Sachsen Fakten geschaffen. CSD 2000 Homo-Ehe Ein lesbisches und ein schwules Paar ließen sich vor rund 600 Anwesenden (erstaunte Passanten eingeschlossen) unter freien Himmel trauen. Damit ist dieses Thema aber noch lange nicht angenommen, denn schon in den Trauungsreden machten sich Affinitäten zur Kirche und überhaupt zum heterosexuellen Status Ehe bemerkbar, was nicht nur bei Moderatorin Ovo Maltine, sondern auch bei einem großen Teil des Homo-Publikums auf Kritik stieß. Hoffentlich konnte dieser eher für die Allgemeinheit provokativ gemeinte Akt zur weiteren Aufklärung und Sensibilisierung der Zaungäste beitragen und auch neuen Zündstoff für die Diskussion über die schwul-lesbische Politik geben.

Alles Gute für die beiden Paare, die diesen Tag der festen Bindung gemeinsam in ihrem Leben weitertragen werden.

Den Abschluß oder eher Abschuß des CSD-Straßenfestes brachte die Formation "Adictive". Das war der Fehlgriff des Wochenendes. Eine Gruft-Band sollte bei einem stimmungsvollem Fest der Lebensvielfalt einfach nicht das Ruder in die Hand bekommen.

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