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Tipp des Monats

Fr, 6. Juli, 20.45 h, Arte
Spielfilm
Der Einstein des Sex
(D 1999, R: Rosa von Praunheim, K: Elfi Mikesch, D: Kai Schumann, Ben Becker, Wolfgang Völz, Otto Sander u.a.) Rosa von Praunheim verfilmte mit namhaften Schauspielern die Lebensgeschichte des schwulen Berliner Sexualwissenschaftlers Magnus Hirschfeld, der mit seinem 1897 initiierten "Wissenschaftlich-Humanitären Komitee" für die Legalisierung von Homosexualität eintrat. In der Weimarer Republik verwirklichte Hirschfeld mit der Gründung eines "Instituts für Sexualwissenschaft" seinen Lebenstraum. Mit seinen innovativen sexualwissenschaftlichen Forschungen, die auch Homosexualität und Transvestitismus zum Gegenstand hatten, erlangte er internationalen Ruhm, mußte sich in seiner Heimat aber zunehmend gegen Diffamierungen und Widerstände behaupten. Die Nazis zerstörten das Institut und dessen wissenschaftliche Sammlung und verbrannten Hirschfelds Bücher öffentlich. "Tante Magnesia" – wie die Schwulenbewegung später ihren bedeutenden Vorkämpfer liebevoll taufte – starb 1935 im Alter von 67 Jahren im Exil in Nizza.

So, 1. Juli, 17.00 h, VOX
Magazin
auto motor & sport tv
In der heutigen Folge dieser doch eher von Otto-Normal-Familienvätern konsumierten Sendung geht es unter anderem um die innovative Firmenpolitik des Automobilherstellers Ford, der mit dem firmeninternen Projekt "Ford Globe" gegen Diskriminierung von schwulen und lesbischen Mitarbeiter/innen Position bezieht. Auch ein für die CSD-Parade entworfener Ford KA wird vorgestellt.

So, 1. Juli, 0.00 h, WDR
Spielfilm
Valentino
(USA 1976, R: Ken Russel, D: Rudolf Nureyew, Leslie Caron, Carol Kane u.a.) Rudolph Valentino – der schönste Mann der Stummfilmaera, Latin-Lover und Idol eines nicht nur weiblichen Millionenpublikums – wurde über Nacht vom Varieté-Eintänzer zum Filmstar. Russels Verfilmung seiner Lebensgeschichte läßt zwar kaum etwas von den belegt homosexuellen Aspekten seines Lebens durchscheinen – u.a. arrangierte sein Filmstudio eine Scheinehe mit der lesbischen Schauspielerin Natasha Rambova – dafür wurde die Hauptrolle mit dem schwulen Ballettstar Nurejew passend besetzt.

Mo, 2. Juli, 20.15 h, VOX
Spielfilm
Gia – Preis der Schönheit
("Gia", USA 1997, R: Michael Christofer, D: Angelina Jolie, Faye Dunaway u.a.) Von der Filmkritik vielfach gerühmte TV-Produktion des US-Senders HBO ("If these walls could talk" u.a.) über das Leben des lesbischen Top-Models Gia Carangi, deren kometenhafte Karriere an ihrem massivem Drogenmißbrauch scheiterte. Das ehemalige Punk-Girl starb 1986 – im Alter von nur 26 Jahren und als eine der ersten Frauen überhaupt – an den Folgen von AIDS. Ihre Rolle wurde mit Hollywoods beliebtestem "bad girl" Angelina Jolie ideal besetzt, die derzeit als Lara Croft in der Verfilmung von "Tomb Raider" viele Lesbenherzen höher schlagen läßt.

Do, 5. Juli, 21.20 h, Bayern 3
Reportage
Frauensache – Verliebt, verlobt, verboten?
Unter dem Leitthema "Wie lesbische Frauen leben" beleuchtet das Fernsehmagazin "Frauensache" heute Fragestellungen rund um die Homoehe bzw. die Lebensrealität lesbischer Paare, die sich u.a. mit Problemen bezüglich Coming-out, Kinderwunsch und rechtlicher Absicherung von Partnerschaften herumzuschlagen haben.

Sa, 7. Juli, 14.45 h, ARD
Sport
Fußball-Europameisterschaft der Frauen – Endspiel
Grund zum Jubeln für alle lesbischen Fußballfans: Das Erste überträgt die Finalbegegnung der Frauenfußball-EM live aus dem Donau-Stadion in Ulm. Ob die deutschen Mädels diesmal das Endspiel bestreiten? Es kommentiert Reporter Gerd Gottlob.

Sa, 7. Juli, 22.35 h, Pro 7
Spielfilm
Set It Off
(USA 1996, R: F. Gary Gray, D: Queen Latifah, Jada Pinkett, Vivica A. Fox u.a.) Vier schwarze junge Frauen, die in demselben Armenviertel von L.A. groß geworden sind und sich mit schlechtbezahlten Jobs über Wasser halten, beschließen ihr Los auf eigene Faust zu verbessern: Sie besorgen sich Waffen und überfallen eine Bank. Für ihr Ziel – ein materiell sorgenfreies Leben – brauchen sie noch einen weiteren Coup. Aber die Polizei ist ihnen bereits auf den Fersen. Dieser "schwarze" Film in der Tradition von Spike Lee ist ebenso gesellschaftskritisch wie actionreich, seine Heldinnen sind glaubwürdig und das Ende ist (ganz untypisch für Hollywood) nur bedingt ein "Happy End". Unbedingt sehenswert, nicht nur wegen Pop-Ikone Queen Latifah in einer expilizit lesbischen Rolle!!

Mo, 9. Juli, 22.15 h, VOX
Reportage
Waschen – Legen – Fönen
Betitelt mit "Geschichten aus Berliner Frisörsalons" ist Süddeutsche TV heute auf der Spur der verrückten Haarkünstler und -künstlerinnen unserer Metropole. Mit den Porträtierten Frank Schäfer, Ute Jacobs und Udo Walz hat die unterhaltsame Magazinsendung eine 100% Homo-Trefferquote geschafft ... ob das wohl Zufall war?

Di, 10. Juli, 23.00 h, ARD
Portät
Alfred Franz Maria Biolek – fast ein Selbstporträt
(von Klaus Michael Heinz) Anläßlich des Jubiläums von "Boulevard Bio" wiederholt das Erste diese gelungene Collage über das (Fernseh-)Leben des Moderators Alfred Biolek, die vor zwei Jahren zu Bios 65. Geburtstag entstand.

Do, 12. Juli, 23.30 h, Bayern 3
Spielfilm
Der Schrei nach Liebe
(D 1997, R: Matti Geschonnek, D: Jürgen Prochnow, Eva Mattes, Matthias Schloo u.a.) In dieser deutschen Fernsehproduktion spielt Jürgen Prochnow den Familienvater Holger Behrend, der mit dem Freund seiner Tochter, dem Stricher Yannis, ein Verhältnis beginnt. Dies bleibt der Familie nicht verborgen und dem Vater wird kompromißlos die Tür gewiesen. Sein Versuch, mit dem jungen Mann zusammenzuleben, scheitert an ihrer Haßliebe und an Yannis Verstrickungen in der Stricherszene. Zuletzt nimmt die tragische Geschichte einen scheinbar ausweglos tragischen Verlauf. Unsere Einschätzung: Kein schlechter Film, aber zwiespältig in der Aussage – "Die 'tragische' Veranlagung muß tödlich enden!" ... das war mal, in den 60ern.

So, 15. Juli, 20.15 h, ARD
Fernsehkrimi
Tatort – Fette Krieger
(D 2001, R: Dominik Reding, D: Ulrike Folkerts, Sandra Borgmann u.a.) Ein frischer Folkerts-Tatort mit großer Relevanz für die Berliner Szene: Regie führte Newcomer Dominik Reding, der zusammen mit seinem Bruder Benjamin für den spektakulären Film "Oi! Warning" insgesamt acht nationale und internationale Auszeichnungen erhielt. Unter seiner Regie ermittelt Ulrike Folkerts als Kommissarin Odenthal in der Hip-Hop-Szene: Der Rapper Fett verkündet seinen Ausstieg aus dem berühmten Duo "Fette Krieger", kurz darauf verunglückt er tödlich. War sein Musikpartner Krieger schuld an seinem Tod, oder sein Manager Thilo ... oder hatte gar sein eifersüchtiger Bruder Rokko die Finger im Spiel? Lena nähert sich Fetts Freundin Mona, mit deren Hilfe sie einen Einblick in die verworrenen Gesetze des Music-Business gewinnt (gespielt von Sandra Borgmann, die zukünftig in der Serie "Berlin Berlin" eine lesbische Rolle haben wird!!!)

So, 15. Juli, 22.25 h, Kabel 1
Spielfilm
Gefährliche Liebschaften
(USA/GB 1988, R: Stephen Frears, D: Glenn Close, John Malkovich, Michelle Pfeiffer, Uma Thurman, Keanu Reeves) Zugegeben ... dieser Film hat nichts auch nur entfernt Homosexuelles. Dafür ist er schlichtweg genial. Wer Spaß hat an Rokoko-Optik, an intrigant-intelligenten Ränkespielen, brillanten Dialogen und einer äußerst spitzzüngigen Thematisierung des immerwährenden Kampfes der Geschlechter wird an dieser Adaption des zeitgenössischen Romans von Choderlos de Laclos seine helle Freude haben. Die überragende schauspielerische Leistung der Darsteller unter der Regie von Stephen Frears (u.a. "Mein wunderbarer Waschsalon") tut ein Übriges.

So, 22. Juli, 23.45 h, N3
Spielfilm
Mein Leben in Rosarot
("Ma vie en rose", Frankreich 1997, R: Alain Berliner, B: Chris van der Stappen) Ludovic ist ein kleiner Junge, der offen und ungeniert davon träumt, ein kleines Mädchen zu sein. Die Eltern reagieren darauf, so gut sie können, aber die Mißbilligung der Nachbarn in ihrer gutbürgerlichen Pariser Vorstadt macht es ihnen nicht leicht. Diese bittersüße, poetische Komödie über die Suche eines Kindes nach seinem individuellen Platz in der Gesellschaft gewann Festivalpreise und wurde zu einem der beliebtesten europäischen Filme der letzten Jahre.

Mi, 25. Juli, 23.15 h, WDR
Spielfilm
I Shot Andy Warhol
(USA 1996, R: Mary Harron, D: Lili Taylor, Jared Harris, Stephen Dorff) Die konsequent-radikalfeministische Psychologiestudentin Valerie Solanas – genial verkörpert von Lili Taylor – ist mit ihren Ideen ihrer Zeit um Jahrzente voraus. Im New York der frühen 60er kommt sie in Kontakt mit Pop-Art-Künstler Andy Warhol und seiner "Factory". Einem Auftritt in einem seiner Avantgarde-Filme folgt jedoch die Ernüchterung, als dieser die Produktion ihrer eigenen Bühnenstücke ablehnt und der Kreis um Warhol sie mehr und mehr als verrückte Fanatikerin ablehnt. Zuletzt sieht sich die lesbische Vordenkerin und Konzeptkünstlerin als Opfer einer Verschwörung und verübt auf Andy Warhol ein folgenschweres Pistolenattentat. Der Film der früheren Musikkritikerin Mary Harron ist visuell und musikalisch eine gelungene Hommage an die Kunstszene der 70er. Soundtrack: John Cale (Velvet Underground)

Texte Anne-K. Jung

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