Oktober 2009

Die Heten sind schuld

Während früher uneheliche Schwangerschaften oder Liebesbeziehungen jenseits arrangierter Heiratspläne der Eltern zu Skandalen führten, verteidigen konservative Kreise heute das Bollwerk "Familie" hauptsächlich gegen homosexuelle Unterwanderung. Was ja in sich schon ein Widerspruch ist, denn ohne den Sex zwischen Mann und Frau könnten auch keine Homosexuellen entstehen, die Schuld am Schwul- oder Lesbischsein liegt also bei den Heterosexuellen selbst.

Laut Emnid-Untersuchungen bekennen sich in Deutschland derzeit 4,1 % der Männer zu ihrer Homo- oder Bisexualität und 9,4 % sind es - mehr als die Hälfte gibt es also öffentlich nicht zu und das sind genau diejenigen, die den Mund immer am weitesten aufreißen - erst zum pöbeln, dann zum blasen. Alle paar Jahre werden die Zahlen nach oben korrigiert, man muss es sich ja auch selber gegenüber erstmal eingestehen, bevor man in Umfragen eine entsprechend positive Antwort geben kann. Über die bislang wissenschaftlich anerkannten 10 % hinaus gibt es logischerweise noch eine riesige Dunkelziffer an weiteren Homo- und Bisexuellen, denn um bei solchen Umfragen eine positive Antwort geben zu können, muss man es sich ja auch erst mal selbst gegenüber eingestanden haben.

Vor fünf Jahren rief ich als Chefredakteur einer Schülerzeitung bei einem - evangelischen - Sorgentelefon an, um zur redaktionellen Verwertung die Probleme homosexueller Jugendlicher zu recherchieren. Die Frau am anderen Ende der Leitung riet mir - nachdem ich mich selbst auch als schwul zu erkennen gegeben hatte - ich solle noch mal über meine Sexualität nachdenken und - jetzt der Knaller - "man hat ja auch keinen Sex mit Tieren." Unreflektiert und in selbstverständlichster Art und Weise werden solche dämlichen Vergleiche dann von irgendwelchen Hobbypsychologen gegenüber ratsuchenden Minderjährigen weitergequatscht.

Während die Frau vom christlichen Sorgentelefon in aller Seelenruhe ihre verbalen Abfälle in mein junges Ohr kotzte und offenbar nicht mal merkte, dass sie mich damit beleidigte, wurde mir klar, dass in unserer Gesellschaft solche perversen Sprüche völlig salonfähig sind. Wenn sich scheinbar harmlose Ansichten wie diese dann in Gewaltausbrüchen irgendwelcher sexuell frustrierten Jugendgangs entladen, die in der Öffentlichkeit einen auf dicke Hose machen und heimlich in irgendwelchen Darkrooms Schwänze lutschen, weiß man ja, wo es herkommt.

Und gerade eine Frau von der Leyen mit neun Kindern hat garantiert Schwule, Lesben oder Transgender unter ihrem Nachwuchs, vielleicht wird einer ihrer Söhne ja mal der erste offen schwule Familienminister.

Einen schönen Oktober wünscht Martin

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