Juni 2009

Immer mal was Neues

Partykönig Ralf Koppetzki, der lange Zeit Vorreiter in der Dresdner Schwulenszene war, hat sich mit seinen deutschlandweiten Großveranstaltungen schon lange einem anderen Zielpublikum zugewandt und wurde in der Gaycommunity von Roberto Weinhold abgelöst, der zumindest einen Monat lang mit drei schwulen Partyreihen gleichzeitig das Dresdner Szeneleben dominierte.

Nach acht Jahren "Leipziger Gaynight" vom Veranstalter emotion works, die einem drohenden Locationwechsel mit einer erfolgreichen Abschlussveranstaltung auf dem Höhepunkt ihrer Beliebtheit zuvorkam, gesellte sich zum Dauerbrenner "Think Pink" eine neue, ähnlich große Veranstaltung. Die "Sensation Night" beging jedoch den Fehler, ausgerechnet ihre Eröffnungsparty zeitgleich mit der Konkurrenz abzufackeln und ging seitdem in Sachen Gästezahlen bergab. Trotzdem empfahlen "Sensation Night" und "Think Pink" per Gayromeo-Newsletter gemeinschaftlich die "Gaylaktika" Ende April, was trotzdem nur etwa zweihundert Gäste ins etwas abgelegene Parkhotel zog. Eine Fortsetzung dieser Partyreihe in Dresden scheint damit wohl ausgeschlossen.

Auch die Berliner "Funkbusch"-Party konnte sich nicht dauerhaft ihren Platz in den Herzen ihrer Gäste sichern, denn ihr Leipziger Ableger brummte nur so lange, bis die Veranstalterin und Ex-"Busche" (bzw. "Haus B")-Chefin Conny Bergholz aus der Location der jetzigen "kisskissbangbang"-Party geworfen wurde, die dem Vater des kkbb-Veranstalters Philipp Hartig gehört – von einem Intermezzo in Dresden ganz zu schweigen, das nach mehreren bedauerlichen Startschwierigkeiten auch schnell wieder Geschichte war. Shiva Shizophrena, die sich solange als Mitveranstalterin von "kisskissbangbang" verstand, bis sie einfach nicht mehr gebucht wurde, versuchte es daraufhin mit einer eigenen Veranstaltung namens "Operation Grotesk" in Leipzig, die jedoch ebenfalls nur von kurzer Lebensdauer war und verschwand damit ähnlich sang- und klanglos wieder in der Versenkung wie der "Vanilla Club", der nach einer sensationellen Plakat-Kampagne im Vorfeld der Opening-Veranstaltung ("Bis September noch schnell schwul werden!") daraufhin leider monatelang seine Öffentlichkeitsarbeit vernachlässigte.

Die Dresdner "Sweethearts"-Party hat sich schon vor geraumer Zeit in die Geschichtsbücher verabschiedet, nachdem sie sich nach fünf Jahren schließlich nicht mehr gegen Darkroom und Getränkepreise der "Think Pink" behaupten konnte und hinterließ ein Party-Vakuum, das "DJane Miss Claire Rasil" nun mit ihrer "sHe-Party" füllt, indem sie zwar nicht mit billigen Getränken, aber dafür mit einem niedrigen Eintrittspreis ins Feld zieht, wodurch ihr jedoch wiederum das Geld für Show und Deko fehlt.

Gewollt authentisch und unkommerziell dagegen, dafür aber nicht massenkompatibel, kommen "NoNoNo!" und "queerbeats" daher, die Indie-Schiene ist aber nichts desto trotz seit langem gegenüber Britney Spears und Gucci-Täschchen auf dem Vormarsch, mit den traditionellen Klischees wollen viele Schwule heute nichts mehr zu tun haben, weshalb u.a. auch Transen fast nur noch hinter dem DJ-Pult anzutreffen sind.

Ihr seht, in der regionalen Schwulenszene tut sich einiges, es lohnt sich also, auch mal den lokalen Tellerrand zu überqueren und sich andere Gaypartys in Mitteldeutschland anzuschauen. Wie immer gut informiert über Schicksale und Hintergründe seid Ihr auch mit dieser Ausgabe.

Einen schönen Juni wünscht Martin

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1 Kommentar des Monats
2 Impressum
3 Dresden feiert den CSD 2009
4 Dresden feiert den CSD 2009 - Trans-Street-Day
5 Dresden feiert den CSD 2009 - Die Route 2009
6 Meilensteine
7 Homophobie ist heilbar
8 Models gesucht
9 VIP-Interview
10 Gay Fantastic Sommer Special
11 PIRls.de feiert CSD
12 queerbeats
13 Jessica 6 bei No No No!
14 Die offizielle CSD-Abschlussparty
15 sensation love for gay
16 sHe party meets Disco wo:Anders
17 Sommernachtsträume
18 Dresdner Premiere
19 Face2Face
20 Schwulsein in der DDR
21 Öffentliche "Schulstunden" in Halle
22 Gerüchteküche
23 Saunaguide