März 2009

Hallo Ihr Lieben,

ich wurde im Ruhrgebiet geboren und weil ich schon damals ein Junge war, hatte ich nach der Geburt auch keine Schwangerschaftsstreifen, während der Pubertät keine Periode und habe noch heute volles Haar, keine Cellulite, kaum Falten und immer noch einen so frischen Teint, als wäre ich gerade erst dem wärmenden Mutterschoß entschlüpft.

Da ich im Pott auch aufgewachsen bin, mitten im Großstadtmoloch des Steinkohlereviers, konnte ich mir als kleines Kind nichts schöneres vorstellen, als im sauren Regen herumzutoben und auf rauchende Fabrikschornsteine zu klettern, um der damaligen Bundesregierung im nahen Bonn gesellschaftskritische Rauchzeichen zu geben. Inzwischen wohne ich im Osten, aber besonders, wenn ich nach Chemnitz komme, in diese alte sächsische Industriestadt, werden nicht nur meine Augen feucht, denn man fühlt sich diesen schwitzenden, rußverschmierten Männerkörpern selbst nach all den Jahren noch verbunden.

Drag Queens sagt man ja gerne nach, dass sie im Umgang mit Werkzeug zwei linke Hände hätten. So werde ich immer wieder gefragt, wann ich endlich den Duschvorhang über meiner Wanne anbringe, aber die Antwort ist, dass man ab 20 cm einfach keine Vorhangstange mehr braucht. Die Länge ist also durchaus entscheidend und dazu kommt die Ausdauer. Da läuft bei mir nichts unter 42 km - ein klassischer Marathon, das sind mehrere Runden um die Kiesgrube Ottendorf. Die Lust auf Sport kommt im Bett, sage ich diesbezüglich immer, wenn ich auf meinen Gästen im Schlafzimmer einreite.

Neulich hatte ich mal wieder so ein Exemplar von Groupie mit nach Hause genommen, das man wohl am ehesten als Sportmuffel bezeichnen kann, denn über mein Begrüßungsgeschenk, ein Spülrohr, schien er nicht gerade sehr begeistert. Da ich viele Groupies habe, könnte man meinen, dass ich jeden Abend mindestens zwanzig Löcher stopfe, dem ist aber nicht so. Ich habe nämlich deswegen keine Löcher in den Socken und den Unterhosen, weil ich keine trage. Richtig gehört - höchstens mal die ein oder andere Laufmasche in der Strumpfhose gibt es zu beklagen, aber da kann man auch mit Klebeband nichts mehr retten, also nehme ich das Klebeband lieber dazu, meinen süßesten Fans heimlich von hinten eine Liste mit meinen Preisvorstellungen aufs T-Shirt zu kleben, falls sie mich mal für einen Auftritt buchen wollen.

Kann sich natürlich nicht jeder leisten und das ist für mich der Punkt, wo sich die Spreu vom Weizen trennt. Geld regiert besonders die Welt der Travestie - auch strahlende Glitzer-Göttinnen können sich nicht nur von der Tasse Kaffee ernähren, die es beim Friseur kostenlos gibt, also seid lieb und besucht regelmäßig meine Shows, denn wir Künstler leben vom Applaus.

Eure Miss Chantal

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