Der CSD steht vor der Tür. Wenn ich mich in meinem Umfeld umhöre, erreichen mich eine Vielzahl verschiedener Erwartungen an den CSD 2012. Ob es nun lediglich darum geht, eine spitzenmäßige Performance als halbnacktes Engelchen auf einem der Umzugswagen hinzulegen, oder nur mal wieder so richtig zu feiern oder darum, mit seiner Stimme und seinem Protest dazu beizutragen, unser Leben gerechter zu machen. Die Erwartungen an den CSD sind recht unterschiedlich. Bei dem Gedanken an unterschiedliche Erwartungen, denke ich sofort an eines unserer weit verbreiteten Symbole, die Regenbogenfahne mit ihren unverwechselbar farbigen Streifen.

Jede Farbe für sich betrachtet ist strahlend und symbolträchtig, doch der Regenbogen entsteht nur durch das Zusammenspiel aller Farben. Farben, so unterschiedlich wie wir, mit unseren verschiedenen Lebenseinstellungen, Erwartungen und unterschiedlichem Geschmack in Bezug auf unsere Partner oder sexuelle Vorlieben. Damit steht diese Fahne, die wir jedes Jahr am CSD stolz in die Höhe halten, für die Vielschichtigkeit unserer Community und zeigt, dass einzelne und sehr unterschiedliche Personen zusammen zu etwas Großem werden können. Da die CSD-Saison bei uns in diesem Jahr in einigen Städten schon Ende Mai beginnt, möchte ich heute bereits darauf aufmerksam machen, dass die Verantwortlichen in den einzelnen Städten für euch wieder viel auf die Beine gestellt haben und gleichzeitig danke sagen, an alle, die dieses Jahr wieder freiwillig an der Umsetzung des CSD in unserer Umgebung mitwirken. Wenn ihr selbst noch aktiv an der Organisation und Umsetzung des CSD mitwirken wollt, wendet euch an die entsprechenden Vereine und Organisationen in eurer Nähe und helft mit, um den CSD 2012 zu einem unvergesslichen Ereignis zu machen. Erstmals organisiert wurde der CSD am letzten Juniwochenende 1970 in New York, um an die tagelangen Straßenschlachten zwischen Homosexuellen und der Polizei Ende Juni 1969 im Stadtteil Greenwich Village zu erinnern. Heute wird überall auf der Welt an dieses Aufbegehren nach Gleichheit von unterdrückten sexuellen Minderheiten erinnert und für die Rechte der Homosexuellen, Bisexuellen und Transgender demonstriert. Bis heute wurde der Grundgedanke des CSD beibehalten. In der westlichen Welt hat sich seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts schon viel für unsere Rechte und gegen Diskriminierung getan, allerdings noch lange nicht genug. Außerdem sollten wir über unsere Landesgrenzen hinaus schauen und an die Situation der Homosexuellen in anderen Ländern denken. In einigen arabischen und afrikanischen Ländern wird homosexueller Liebe noch immer mit Haft, Misshandlung und der Todesstrafe begegnet. Umso wichtiger ist es, dass wir besonders beim CSD Gesicht zeigen, um gemeinsam gegen die Ungerechtigkeiten hier und anderswo auf der Welt zu demonstrieren und friedlich unsere Gleichberechtigung zu fordern. Lasst uns auch in diesem Jahr wieder durch unsere Präsenz bei den Veranstaltungen des CSD die Vielfalt unserer Community zeigen und für GLEICHE PFLICHTEN - GLEICHE RECHTE demonstrieren. Wir wollen gemeinsam Flagge zeigen und hoff en, dass unser Aufruf für mehr Gleichberechtigung uns wie im Song von Judy Garland „Over the rainbow“ wirklich an einen Ort führt „an dem alles besser und gerechter ist“. Ich werde dabei sein, und ihr?

Euer Robert

Roberts Kolumne: Over the Rainbow