Die wohl schönste Art die Strecke von Danang nach Hue zurückzulegen ist mit dem Zug. Tickets für die Bahn lassen sich in vielen kleinen Reisebüros kaufen und kosten für die ca. 130 km rund 4 Euro in der 1.Klasse. In Vietnam Eisenbahn zu fahren hat etwas von Fliegen. Man nimmt in einem Wartesaal Platz und erst wenn der Zug am Bahnsteig eingefahren ist, öffnen sich die Türen und man darf auf den Bahnsteig. Dann geht das große Rennen los: Finde in möglichst kurzer Zeit deinen Wagen und schaff e es, dir den Weg durch Aussteiger und die vielen Händler auf dem Bahnsteig zu bahnen. Hast du den Wagen gefunden, finde deinen Platz und mache der netten Vietnamesin mit ihren 2 Kindern, die schlafen, klar, dass sie auf deinem Platz sitzen und diesen bitte räumen mögen. Zu guter Letzt, finde noch einen Platz für dein Gepäck. Wenn du das alles geschafft hast, kannst du dich entspannt in die weichen Sitze fallen lassen und dem Treiben im Wagen zuschauen.

Du siehst die fragenden Gesichter der anderen Reisenden: „ Das kann doch nie im Leben die 1.Klasse sein“, das sich-bequem-machen auf den Plätzen, indem man erst einmal eine Flasche Desinfektionsspray auf den Klapptischen versprüht und die zurückkehrenden Vietnamesen, die auf dem Bahnsteig erst einmal Reiseproviant für die wohl noch lange dauernde Reise eingekauft haben. Der Zug setzt sich langsam in Bewegung und fährt nur wenige Meter an Häusern vorbei, die dicht an der Strecke stehen, bis zum nächsten Stopp, um auf den Gegenverkehr zu warten. Kaum ist der Zug zum SSsStehen gekommen, werden die Fenster runter geschoben und von draußen reichen Händler ihre Waren in den Zug. Die Ware wurde von Reihe zu Reihe gereicht und immer wenn es einen potentiellen Interessenten gegeben hat, begannen die Verhandlungen um den Preis. Die Ware wechselte immer wieder von drinnen nach draußen. Es wurde heftig um den Preis gefeilscht. Erst im letzten Moment, als der Zug anfuhr, wurden schnell ein paar Geldscheine nach draußen gereicht um den Verkauf abzuschließen. Nun folgt der landschaftlich spektakulärste Teil dieser Fahrt. Der Zug schlängelt sich an den Abhängen des Wolkenpasses entlang, immer mit einem großartigen Blick auf das Meer und die Steilküste und windet sich in endlos erscheinenden Schleifen um den Berg, um nach ca. 3 Stunden in Hue, der alten Hauptstadt, anzukommen. In Hue schien mir vieles entspannter abzulaufen als in Hanoi und vor allem gediegener. Die Auswahl an Restaurants und Bars war größer und die Stadt lag nicht wie Hanoi unter einer Glocke Smog. Aber das kann auch am Dauerregen gelegen haben, der uns während unseres Aufenthaltes heimsuchte. In Hue hatten wir das wohl liebevollste Hotelpersonal, was ich je erlebt habe und somit hatten wir mehrmals am Tag Spaß, allein beim Vorbeigehen an der Rezeption. An Sehenswürdigkeiten hat Hue jede Menge Atraktionen zu bieten. Die alte verbotene Stadt muss man unbedingt gesehen haben. Kleiner als in Peking und auch nicht so gut erhalten, aber ein Muss. Selbst bei strömendem Regen kann man viel Zeit beim Rundgang durch die Anlage verbringen. Ein Highlight für mich waren die Mausoleen der Kaiser Minh Mang, Khai Dinh und Tu Duc. Prächtige Anlagen soweit das Auge reicht. Am besten zu erreichen mit einer organisierten Tour mit Bootsfahrt auf dem Parfümfl uss. Nach diesen drei Tagen voller Hysterie fl ogen wir von Hue nach Ho Chi Minh City. Die Stadt ist das blanke Gegenteil von Hanoi. Chic und modern, ein Mix aus Tradition und westlichem Lebensstil. Nicht positiv in jeder Hinsicht wie wir am Abend im Traveller-Viertel erfahren mussten, aber eben ein großer Gegensatz zum politischen Hanoi. HCMC, wie die Stadt auch genannt wird, hat keine mystische Altstadt sondern breite Straßen mit Filialen der typischen Luxusmarken, große Wolkenkratzer und mondäne Gebäude und doch hat die Stadt ihren Charme, denn sie ist einfach chic und versprüht einen gewissen Livestyle, der aus meiner Sicht attraktiver ist als in Bangkok. Wenn man Tradition in HCMC erleben möchte, braucht man nur nach Chinatown zu fahren. Einfach nur groß, bunt und für mich der perfekte Ort um die Seele baumeln zu lassen. Dem Atem der Geschichte entgingen wir natürlich auch nicht. Wir haben uns selbstverständlich den ehemaligen Präsidentenpalast, die Oper und das alte Postamt angeschaut. Das schönste Erlebnis aber, hat uns eine alte Vietnamesin beschert, als sie uns bei unserem verzweifelten Versuch half, die Straßenseite zu wechseln. Mit einem kurzen Winken von ihr deutete sie an ihr zu folgen und somit sind wir im Windschatten ihres voll bepackten Fahrrades Stück für Stück über die Straße gegangen. Ohne diese Lady würden wir wahrscheinlich heute noch dort stehen. Wir sind nach drei Wochen aus einem großartigen Land mit großartigen Menschen wieder abgereist. Haben tolle Erinnerungen an Land und Menschen mit nach Hause genommen und vor allen Dingen den Wunsch noch einmal in dieses Land zurückzukehren. Vielleicht um einige Orte noch einmal bzw. intensiver zu erkunden, aber vor allen Dingen noch vieles zu entdecken was wir auf unserer ersten Reise nicht gesehen haben. Vietnam, wir kommen wieder. Ganz bestimmt! |mh

Reisebericht: Vietnam - Teil 3